Aus Liebe zum Papier: Cobots als Chance für das Druckerei-Handwerk

Einst taktgebend und dem Umsatz der Automobilindustrie Konkurrenz machend, ringt die Druckereibranche seit einigen Jahren mit einem starken Wettbewerbsdruck und hohen Herstellungskosten. Um handlungsfähig zu bleiben, bedarf es innovativer Strategien: Automatisierung muss in das Handwerk einziehen. Mit kollaborierenden Robotern gelingt der Einstieg kleinen Traditionsdruckereien und Konzernen gleichermaßen.

Ob Tageszeitungen, Magazine, Bücher, Flyer oder Plakate: Druckerzeugnisse sind unsere täglichen Begleiter. Doch wissen wir alle: Die in Deutschland einst zentrale Industrie muss sich seit der Jahrtausendwende gegenüber der elektronischen Konkurrenz beweisen. Nicht zuletzt am Auflagenrückgang gedruckter Zeitungen lässt sich der Verlauf der künftigen Entwicklungen in dieser Branche ablesen.

Dem Wettbewerb voraus: Cobots im Druckerei-Handwerk

Um wettbewerbsgerecht herstellen und mit den Preisen aus Niedriglohnländern mithalten zu können, gilt es daher in der hiesigen Druckproduktion, Kosten zu reduzieren und Taktzeiten zu erhöhen. „Derzeit liegt der Personalkostenanteil in Druckereien bei bis zu 50 Prozent. Die Robotik bietet großes Potenzial für die Druckbranche, die bisher kaum mit Automatisierung vertraut ist – insbesondere, wenn qualifizierte Fachkräfte in der Produktion fehlen“, erläutert Bodo Tegtmeier, Regionalverkaufsleiter und technische Verkaufsunterstützung bei MBO Postpress Solutions GmbH.

Mit 450 Mitarbeitern und sechs Standorten in Europa, Asien und USA verzeichnet MBO nicht nur den weltweit größten Umsatz im Marktsegment, sondern zählt auch auf globaler Ebene zu den führenden Firmen im Druckerei-Handwerk. Das seit 2020 dem Komori-Konzern zugehörige Unternehmen produziert bereits in langer Tradition Maschinen für die buchbinderische Weiterverarbeitung. Seit über einem Jahr setzt MBO kollaborierende Roboter (Cobots) in ihren Lösungen ein.

„Die wenigen Automatisierungslösungen, die heute in Druckereien im Einsatz sind, sind noch immer klassische Industrieroboter. Diese bedürfen entsprechender Sicherheitstechnik und sind dazu stationär“, so Tegtmeier. „Für unsere Branche sind sie einfach nicht flexibel genug. Wir sehen Cobots als große Chance für das Druckerei-Handwerk.“

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Mit Kollege Roboter sicher und flexibel zusammenarbeiten

Denn Roboter, die sich schnell an verschiedenen Maschinen anpassen und in bestehende Produktionsprozesse eingliedern lassen, bieten eine Grundlage für den zukünftigen Erfolg der Industrie. Aufgrund der wenigen Berührungspunkte mit Robotik in der Branche herrschen jedoch Vorurteile gegenüber den flexiblen Cobots: „Der Punkt Sicherheit ist das A und O in allen Bereichen, in denen mit Robotern zusammengearbeitet wird. Da wir bisher der einzige Hersteller sind, der im Druckerei-Handwerk auf Cobots setzt, gibt es viele Unsicherheiten im Umgang mit den Leichtbaurobotern“, erläutert Tegtmeier. „Ohne Schutzzaun erscheinen sie vielen Firmen nicht sicher genug, obwohl die kollaborierenden Roboterarme nach strengen Vorlagen zertifiziert und nur nach erfolgreich abgeschlossener Risikobeurteilung im unmittelbaren Umfeld der Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen.“

Pro Schicht kann ein CoBo-Stack neun Tonnen Papier und mehr bewegen.

Dabei sind die zahlreichen Sicherheitsfunktionen von Cobots ein großer Vorteil: Ohne Schutzvorrichtung können Firmen sie platzsparend sowie mobil in ihre Druckproduktion einplanen. So können Unternehmen aller Art – auch kleine Druckereien – die Roboterarme in diversen Anwendungsszenarien einsetzen und sich einen deutlichen Vorteil gegenüber Wettbewerbern verschaffen. Zudem bieten Automatisierungslösungen, die keinerlei zusätzlicher Sicherheitstechnik bedürfen, Preisvorteile: ein klassischer Industrieroboter mit einem Schutzzaun ist nicht nur platzeinnehmend, sondern auch kostspielig.

Taktzeiten verdoppeln mit Cobots

Vor einem Jahr hat MBO als Antwort auf die Herausforderungen in der eigenen Branche die Applikation MBO CoBo-Stack eingeführt: Eine Lösung zum automatisierten Absetzen von Papierstapeln, die auch für kleine und mittelständische Unternehmen rentabel ist. In der kollaborativen Anwendung ist ein UR10e integriert, der flexibel an verschiedene Maschinen seinen Einsatz findet.

Im Arbeitsprozess nimmt der Cobot Papierstapel unterschiedlichster Größe auf und legt sie auf verschiedene Palettengrößen ab. Er bewegt dabei viele Tonnen Material täglich und entlastet so die Mitarbeiter von der körperlich schweren Tätigkeit. Paletten können an beiden Seiten der Auslage platziert werden, wodurch unterbrechungsfreies Arbeiten möglich ist.

Bei der Firma Pipp in Altheim in Bayern ist die Anwendung bereits praxiserprobt und fester Bestandteil der Produktion. „Wir haben den MBO CoBo-Stack in der Papierverarbeitung an unseren MBO Falzmaschinen im Einsatz“, sagt Jürgen Pipp, Geschäftsführer der Jürgen Pipp Papierverarbeitung und Versandservice E.K. „Mithilfe des Roboters konnten wir unsere Taktzeiten verdoppeln und die Belastung für die Mitarbeiter deutlich reduzieren. Diese können sich stattdessen neuen, anspruchsvolleren Aufgaben wie der Qualitätskontrolle oder der Auftragsvorbereitung widmen.“

Die beiden Mitarbeiter Alexander Cyrys, Prokurist (l.), und Christoph Konietzny, Buchbinder (r.), bei Pipp freuen sich über die Arbeitserleichterung, die der MBO CoBo-Stack bietet.

Cobot als Zukunftsstrategie in Druckereien

Heute kann ein Mitarbeiter bei Pipp dank des Einsatzes des kollaborierenden Roboters zwei Maschinen gleichzeitig bedienen und damit die Ausbringungsmenge während der Arbeitszeit verdoppeln. Durch die Flexibilität des Cobots und dessen platzsparenden Designs fügt er sich problemlos in diverse Produktionsprozesse ein. „Innerhalb von wenigen Minuten ist der Roboter für neue Anforderungen parametriert und dank seiner flexiblen Bauweise auch schnell an anderen Maschinen einsatzbereit“, so Pipp. „Wir sehen große Erfolge mit dem Einsatz der Automatisierungslösung. Es wird Zeit, dass Automatisierung auch in unserer Industrie die Norm wird.“

Cobots sind die platzsparende, flexible und einfach zu bedienende Alternative zum Industrieroboter. „Doch vor allem sind sie sicher“, betont Tegtmeier. „Wir bei MBO sehen die Leichtbauroboter als Schlüssel zum Erfolg in unserem Handwerk. Und eins ist trotz all der digitalen Innovationen schön zu erleben: Das gedruckte Buch erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.“

Inhaber Jürgen Pipp sieht vor allem die Vorteile beim Einsatz von Robotern in der Druckweiterverarbeitung:

„Wir sehen große Erfolge mit dem Einsatz der Automatisierungslösung. Es wird Zeit, dass Automatisierung auch in unserer Industrie die Norm wird.“

Netzwerk Handwerk.DIGITAL

Gemeinsam mit Experten und anhand erfolgreicher Beispiele aus der Praxis beleuchten Netzwerk Handwerk und Netzwerk Handwerk.DIGITAL richtungsweisende Themen beleuchtet. 

Inspiriert sind die Schwerpunkte von der Trendmap Handwerk, die 25+8 zentrale Trends im Handwerk bis ins Jahr 2025 aufzeigt.

Zielgruppe der analogen und digitalen Veranstaltungen sind:

  • Handwerksunternehmer
  • Start-ups
  • Architekten und
  • Planungsbüros

DIE TRENDMAP HANDWERK

Die Trendmap Handwerk wirft einen Blick in die Zukunft und beleuchtet die Trendthemen der Branche. Sie umfasst vier große Cluster: Automation | Engagement | Marketing | Networking

„25 Trends für 2025“ – so ist der Titel der Trendmap Handwerk, die einen Blick in die Zukunft der Branche wirft. Auf der Internationalen Handwerksmesse 2019 wurden die Trendmap Handwerk und sechs Trends daraus vorgestellt.

Entwickelt wurde die Trendmap von Trendforscher Peter Wippermann, Gründer der Trendforschungsagentur Trendbüro, zusammen mit der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH, die die Internationale Handwerksmesse veranstaltet.

Vom Einsatz neuer Werkzeuge wie Drohnen, 3-D-Drucker und Cobots über Softwarelösungen für die Optimierung von Betriebsabläufen bis zur Positionierung des eigenen Unternehmens als Marke – das Handwerk hat in den vergangenen Jahren eine spannende Entwicklung erlebt.

Dieter Dohr, Vorsitzender der Geschäftsführung der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH, erklärt: „Die Internationale Handwerksmesse als Leitmesse für das gesamte deutsche Handwerk, ist immer wieder Bühne für Ideen und Innovationen, auf der Besucher die Trends aus dem und für das Handwerk erleben.

Als führender Messeveranstalter für das Handwerk in Deutschland wollen wir nun einen Schritt weitergehen und gebündelt die wichtigsten Entwicklungen aufzeigen, die das Handwerk in den kommenden Jahren beeinflussen. Durch die Trendmap Handwerk sollen Betriebe erkennen, in welche Richtung sich die Branche entwickelt, welche Chancen sich daraus ergeben und was sie beachten müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.“